Weglaufen.

Gestern war wieder so ein Tag wo ich am liebsten meine Beine in die Hände genommen hätte und weggelaufen wäre.

Momentan habe ich immer mehr das Bedürfnis für mich zu sein. Endlich wieder „Ich“ sein.

Seit  fast drei Jahren bin ich Zuhause. Schon ab der 5. Schwangerschaftswoche mit dem Küken war ich durch ein Beschäftigungsverbot nicht mehr arbeiten.

Ich habe das so gewollt und ich möchte das jetzt immer noch so, dass das Küken bei mir bis zum 3. Geburtstag bleibt. Trotzdem fehlt mir unheimlich Zeit für mich. Ich war in den Jahren vielleicht drei Mal alleine unterwegs, ansonsten hatten wir immer eins der Kinder oder beide dabei.

Ich stille seit dem das Küken da ist immer noch zwei bis drei mal am Tag. Ich bringe ihn somit jeden Abend ins Bett. Ich wünsche mir öfters mal, dass mein Mann es irgendwie schaffen könnte. Als ich im Krankenhaus war klappte es super, ja da war ich (die Brust ;.) ) ja auch nicht da. Mein Mann schläft seit dem der Kleine da ist im Wohnzimmer auf der Couch. Es fehlt mir sehr, nachts neben ihm zu liegen. Auch wenn ich es liebe, dass das Küken selig neben mir schlummert und es ihm sehr gut dabei geht, vermisse ich es sehr neben ihm zu schlafen.

Ich vermisse es, einfach im Bett zu liegen für ein paar Stunden um ein Buch lesen zu können, Fernsehen zu schauen wann man Lust dazu hat, sich schön machen, mit so viel Zeit wie man braucht. Ach, so viele Kleinigkeiten, die eigentlich so unwichtig sind, die aber irgendwie wichtig werden, wenn man sie lange nicht haben konnte.

Mein allerliebstes Hobby, das Nähen, bleibt auch total auf der Strecke seit dem ich keinen eigenen Platz mehr dafür habe. Es ist so mühsam immer wieder alles in die Küche zu schleppen, auf und ab zu bauen. Meistens wenn man mittendrin ist, da wieder irgendwas von mir verlangt wird. Ich habe so viele Ideen, so viele Wünsche, was das Nähen und Basteln angeht, doch irgendwie bekomme ich es nicht auf die Kette Zeit dafür einzuplanen bzw. irgendwas davon zu schaffen. Ich habe schon versucht in der Nacht produktiv zu sein, das hat mich dann aber tagsüber total umgehauen.

Nachdem die Nacht von gestern auf heute wunderbar war und ich wirklich gut geschlafen habe, geht s schon wieder besser und ich warte einfach auf die Zeit die da so kommt und uns wieder mehr Freiheit bzw. Freizeit schenkt. Wenn ich eins gelernt habe in der ganzen Zeit als zweifache Mama, ist es Geduld zu haben. Geduld steht wirklich an oberster Stelle.

Ich habe zwar sehr grosse Angst, dass alles an mir vorbei rennt und ich alles falsch angehe und mir jetzt die Zeit nehmen muss, da es vielleicht zu spät ist. Aber das lerne ich auch noch irgendwie in den Griff zu bekommen.

Ich musste das einfach mal alles loswerden. Der eine mag es verstehen, der andere nicht. Das ist momentan eine kleine Gefühlslage von vielen, die mal raus musste.

Kerstin